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MondLichtFest des Kuki zum Ferienende bot tolles Programm und viele Attraktionen
14.08.2017

 

Jede Menge Piratenspaß trotz Nieselregens

 

Freibeuter sind bekanntlich hartgesottene Gesellen, die sich nicht von schlechtem Wetter beeindrucken lassen. Und auch die kleinen und großen Besucher des Mondlichtfests am Samstag im und rund ums Kuki-Zelt trotzten dem Nieselregen und ließen sich den Spaß nicht verderben. Die Veranstaltung im Rahmen des Kinderkultursommers Main-Kinzig-Fulda stand unter dem Motto „Piraten“.

 

Die Seeräuber hatten an diesem Nachmittag und Abend den Park am evangelischen Gemeindezentrum geentert. Gleich am Eingang wachte ein riesiger, Respekt einflößender Engel aus schwarzem Metall, der auf Knopfdruck den Ankömmlingen Feuer entgegen spie. Und auch sonst hatten das Team des Kuki und seine bewährten Kooperationspartner wieder einmal ganze Arbeit geleistet und das Gelände rund ums rote Zirkuszelt mit viel Liebe zum Detail in ein Piratenlager verwandelt. Da durften natürlich Fässer, Kisten, Schatztruhen, Totenköpfe und flackernde Laternen nicht fehlen.

Gewandet in prächtige Piratenkostüme hatten sich die Akteure des Hofnarr Theaters unters Volk gemischt und hielten die Landratten nicht nur mit ihrem raubeinigen Charme bei Laune. Denn die zwielichtige Bande hatte sich auch einige Spiele mit ordentlich Seegang ausgedacht: Balancieren auf rutschigen Planken und Wippen, wobei der einen oder anderen Kanonenkugel ausgewichen werden musste, wilde Schwertkämpfe und Fahrten in der selbstgebauten Mini-Kogge, die am Ende allerdings kenterte. Etwas ruhiger ging es am durchweg gut besuchten Stand der KreativWelt zu, wo die Kids eifrig Schatzkisten und Holzmünzen bemalten, Augenklappen und Flaggen gestalteten.

Im Saal des Gemeindezentrums bot die Musikwerkstatt Ballin aus Altengronau einen Trommel-, Tanz- und Sing-Workshop an. Später unterhielten Deff und Julia Ballin mit Annie Williams die Gäste draußen als „Trio Julietta“ mit beschwingter Musik. Wer wollte, konnte sich unter dem schützenden Pavillondach der Schminkwerkstatt Sunny Faces das Gesicht mit kunstvollen Papageien und Delfinen oder einer täuschend echten Narbe verzieren oder sich nebenan in der Photobox mit allerlei Requisiten als grimmiger Freibeuter ablichten lassen. Zwischendurch ließ es sich wunderbar in der selbst bei Nieselregen heiß begehrten Hängematte ausruhen und einen der süßen oder deftigen Snacks der Mühlenbäckerei Siemon aus Sannerz probieren.

Im Zirkuszelt präsentierte das Kuki ein kunterbuntes, kurzweiliges Programm für die ganze Familie: Den Anfang machte das Kindertheater „Coq au Vin“ aus Berlin mit dem witzigen, interaktiven Stück „Die geheimnisvolle Truhe“ über einen schrulligen Trödelhändler und eine freche, verfressene Maus. Anschließend ernteten die „Sweet Girls“ und die „Lucky Kids“ der Tanzabteilung des Turnvereins Schlüchtern mit ihren Auftritten tosenden Beifall. Danach kamen die kleinen Kinofans auf ihre Kosten: Für sie lief der Trickfilm „Mullewapp – eine schöne Schweinerei“.

Für Begeisterung und staunende Gesichter sorgte die faszinierende Fackeljonglage des Berliner Artisten Thomas Endel nach Einbruch der Dunkelheit. Kein Wunder, dass da nicht nur der Nachwuchs lautstark Zugaben forderte. Zum Finale des Mondlichtfests stand dann nochmals ein echter Piratenkracher für die etwas Älteren auf dem Spielplan: der spannende Abenteuerstreifen „Fluch der Karibik 5 – Salazars Rache“, den das Kuki wegen der kühlen Temperaturen nicht wie geplant auf der Open-Air-Leinwand, sondern im wohlig beheizten Zelt zeigte. Kurz nach Mitternacht machten sich die letzten Besucher auf den Heimweg. Einig waren sich alle: Das war ein gelungener Abschluss der Sommerferien!

 
Politische Spitzzüngigkeit und virtuose Musik
07.08.2017

Von Andrea Euler
Schlüchtern. Karl, Michael und Christoph (Stofferl) Well. Nummer 12, 13 und 14 der insgesamt 15 Kinder der Lehrersfamilie Well aus Günzlhofen. Drei Unikate mit großer Begabung: Mit der für das Spielen einer erstaunlichen Vielfalt an Instrumenten. Und mit der für den genauen und kritischen Blick auf das (nicht nur) aktuelle politische Geschehen. Was sie in Summe zur wohl bekanntesten Musik- und Kabarettgruppe Bayerns macht. Bekannt sind sie unter dem Namen Well-Brüder aus´m Biermoos – und als solche ließen sie es am vergangenen Montag abend im Schlüchterner KUKI-Zelt so richtig krachen.
Nicht mal das erste Lied verging, schon war die Stimmung im roten Veranstaltungszelt am Kochen: Ins erste Liad neigeräumt hatten die drei Brüder, die im vergangenen Jahr schon gemeinsam mit Gerhard Polt das Liveprogramm des KUKI bereicherten, nämlich wie bei ihnen üblich all das, was sie bei ihrem nachmittäglichen Besuch der gastgebenden Stadt Schlüchtern so erfahren und beobachtet hatten: Von der Perle vom Bergwinkel am Kinzigstrand war da die Rede, von einem motivierten Bürgermeister, der mit Begeisterung Ute Lemper im E-Auto durch die City chauffierte.
Zu den aktuellen Geschehnissen in Steinau stellten die Brüder fest: Der Uffeln ist so herausragend, dass es herausragender net mehr geht, wenn er zwischen zwei Gartenzwergen steht. Doch nicht nur über den Gastgeberort durfte gelacht werden, auch die Heimat der drei Musik- und Wortkünstler, die in breiter bairischer Mundart unterhielten, war als running gag den ganzen Abend über für den ein oder anderen Scherz gut: Die Kreisverkehre in Hausen: zu eng für die modernen Feuerwehrfahrzeuge. Der Heimatpfleger: Der Drexler Toni, der auch an der Entstehung des Hauses der Bayrischen Geschichte mitwirkt. Dies wiederum: Ein großartiger Ort, an dem unter anderem das Blasröhrchen einen Platz findet, mit dem dem späteren bayerischen Verkehrsminister Otto Wiesheu (CSU) die 1,99 Promille nachgewiesen wurden, die er im Blut hatte, als er einen anderen Verkehrsteilnehmer zu Tode brachte.
Und der Drexler Toni war auch der, der herausfand, dass Georg Friedrich Händel einmal durch Hausen gefahren sei: Auf dem Weg von Wien nach London sei die Kutsche kaputt gegangen – und Händel habe die Zeit genutzt, um die große Feuerwehr-Suite in vier Sätzen zu schreiben. Ein Werk, das die drei Brüder dem Publikum, das es sich im Zelt, aber auch auf den gemütlichen Liegestühlen neben den geöffneten Zelteingängen und zu späterer Stunde im Vollmondlicht tummelte, nicht vorenthalten wollten.
Generell sorgten die musikalischen Darbietungen, bei denen eine erstaunliche Vielzahl an Instrumenten zum Einsatz kam, immer wieder für einen Kontrapunkt zum oft fast schon bissigen Ton der satirischen Texte: Bayerische Gemütlichkeit war stets aufs Neue angesagt, wenn Klarinette, Steierisches Akkordeon, Banjo, Gitarre, Trompete, Kontrabass und sogar Alphörner zum Einsatz kamen. Oder der legendäre Brummtopf präsentiert wurde, ein angeblich uraltes Instrument, auf dem die ganze Welt gespielt hat – auch hier in Schlüchtern. Es ist überall ausgestorben, am längsten hat er sich in Regensburg im Priesterseminar gehalten, wie dem gespannten Publikum erklärt wurde, dem daraufhin ein Kochlöffel in einem Plastikfass präsentiert wurde: Ein Instrument, das seine Töne aufgrund des mehr oder minder rhythmischen Stoßens in eine Deckelnische erzeugt...
Immer auf´s Neue beeindruckten die drei Vollblutmusiker mit ihren musikalischen Darbietungen – Dudelsackklänge, Alphörner und arabische Musik wurden ergänzt von tänzerischen Darbietungen vom Schuhplattler bis hin zum Bauchtanz. Das Publikum war ebenfalls dran: Beim Jodeln, beim Mitsingen der Refrains, beim Applaudieren – und beim Mittragen der energisch vorgetragenen Botschaft in Forty Cent, bei der Christoph Well in Rap-Form für die faire Bezahlung der heimischen Milchbauern kämpfte. Das neue Artenschutzprogramm für die SPD, Bayern als Vorstufe zum Paradies, das Fehlen eines schwarzen Blocks in Bayern, weil die Bayerische Regierung selbst wie ein schwarzer Block da steht – zwei Zugaben waren nötig, bevor das restlos begeisterte Publikum seine Idole nach zweieinhalb Stunden von der Bühne ließ. Diese hatten aber ebenfalls ein Lob im Gepäck: Dass so ein Programm in Schlüchtern stattfindet, ist eine tolle Errungenschaft und eine tolle Sache, und es braucht immer Leute, die das unterstützen. Bei diesem Lob für die KUKI-Verantwortlichen nahm der Applaus nochmals deutlich zu...

 
Ein Strudel irischer Lebensfreude
01.08.2017

 

Von Dorothee Müller

Das Leben ist ein stilles Bächlein – und dann wieder ein reißender Fluss. Das vermittelt die Musik der Newcomer-Band Goitse, und am liebsten möchte man sich sofort hineinstürzen in dieses sanfte Fließen – und erst recht ins wilde Wirbeln und Strudeln dieser faszinierenden Folksongs, die irische Tradition nicht verleugnen und ihre Frische aus der Vielfalt der Weltmusik beziehen. Das Publikum im ausverkauften Schlüchterner Kuki-Zelt lässt sich liebend gern von diesen Wogen davontragen.

Glück oder Schicksal? Jedenfalls trafen vier junge irische Musiker vor wenigen Jahren an der Uni in Limerick auf einen ebenso virtuosen wie preisgekrönten amerikanischen Gitarrenspieler, und dann begann so etwas wie ein modernes Musikmärchen: Aíne McGeeney, Tadhg O’Meachair, Colm Phelan, Alain Reid und besagter Gitarrist Conal O’Kane, deren bloße Namen sich anhören, als würden sie nachts über die Elfentanzplätze der Grünen Insel gerufen, gründeten 2009 die Band Goitse (gesprochen: gwi:cha). Das ist übrigens Gälisch und bedeutet: Komm her.
Seitdem räumt das sympathische Quintett Preise ab: Bei den Live Ireland Music Awards wurde es zur Trad group of the year 2015 und in den USA bei den Chicago Irish American News Awards zur Group of the year 2015 gewählt. Im Januar 2016  gab es die Freiburger Leiter als beste Musikgruppe.
Es handelt sich schließlich um wahre Wunderkinder: Colm Phelan spielt die Bodhrán, die traditionelle irische Rahmentrommel, als habe er Pudding in den Handgelenken und Kolibriflügel an den Fingern. Schnell und scheinbar schwerelos fliegen die Hände über die Trommel. Kein Wunder, dass Phelan zum Weltmeister seines Faches gekürt wurde. Atemlos lauscht das Publikum im Kuki-Zelt seinem Solo.
Aber auch Alan Reid (Banjo) und Tadhg O’Meachair (Akkordeon und Piano) haben nationale Meistertitel errungen. Da wundert es nicht, dass auch die süße Sängerin und Geigerin mit einer Auszeichnung aufwartet: Aíne McGeeney wurde Ende 2016 bei den Irish American News Best of the Year Awards zur Best Female Vocalist gekürt.
Ihr glockenheller und dennoch zarter Sopran hat etwas Feenhaftes und jenen Hauch von Widerhall, der aus Sphären herüberzuklingen scheint, die älter sind als die Erde. Besonders berührend: The Hills Of Sweet Lislea, ein sehnsüchtiger Song, der auf einem Abschiedsbrief eines Soldaten an die Liebste daheim beruht.
Aber die Dame kann auch anders: Wenn ihre Füße aufstampfen und die Fiedel aufjuchzt, dann ist kein Halten mehr auf der Bühne und im Kuki-Zelt. Alles klatscht und johlt – schließlich haben die Iren dem deutschen Publikum kurz zuvor das herzhafte Frohlocken beigebracht. Euer Ja ist okay. Aber wir brauchen mehr Energie, stellt der Trommelspieler fest und schmettert einen Laut der Lebensfreude in die Luft, der seinesgleichen sucht. Die Besucher machen es gern nach, und so geht es hinein in den Strudel der Klänge, der einem einzigen übergeordneten Motto zu folgen scheint: Variationen zum Thema Tanzen über eine grüne Wiese. Davon gibt es rund um das Kuki-Zelt reichlich, und so ziehen einige Gäste die Schuhe aus und lassen sich von der irischen Lebens- und Musizierlust treiben.
Der Wechsel aus stillen, sehnsüchtigen Balladen und wilden Tanznummern gelingt dem Quintett perfekt – und es ist auch ausreichend Luft, damit jeder Einzelne der Starmusiker seine Instrumentalkunst präsentieren kann. Manchmal gibt es auch mitten im Stück eine Überraschung: Das 2012 veröffentlichte Transformed beginnt melodiös-romantisch und geht dann ziemlich ab. Auch auf dem neuen Album Inspired by Chance reicht das Spektrum der versammelten Folk-Schätzchen von besinnlich An Bonnán Buí bis rasend rhythmisch Banjoman Button. Schlüchtern ist die erste Station der Goitse-Deutschland-Tour 2017. Und sofort kommt der Gedanke: Aus der Mitte entspringt ein Fluss. Der wahrscheinlich noch viele mitreißen wird.