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Jetzt wieder KUKI-KINO ab 6. Oktober
30.09.2017

 

 

Das neue KUKI-Programm Oktober steht ab Sonntag Abend zum Download bereit: über 20 aktuelle Kino-Highlights, darunter 6 spannende Filme für die ganze Familie.

Im Programm: The Circle, Bullyparade, Dunkirk, Grießnockerlparade, Cars, Happy Family. Da ist für jeden was dabei!

Die Film-Vorführungen beginnen kommenden Freitag, den 6. Oktober.

 
Florian Schroeders feinstes Kabarett zwischen Politik und Philosophie begeisterte
10.09.2017

 

Es gibt keine Tabus - Vorpremiere "Ausnahmezustand" im KUKI-ZELT

 

 

Schlüchtern (Andrea Euler). Richtig böse? Ja, das kann Florian Schroeder sein. Das hatte er angekündigt bei seiner Werbung für das neue Programm. Und er stellte das unter Beweis: Mit „Ausnahmezustand“ begeisterte er die Gäste im ausverkauften Kuki-Zelt am vergangenen Samstagabend.

 

Es war die Vorpremiere der neuen Show, und somit durften sich die Besucher als Regisseure fühlen: Mehr als drei Stunden brachte der Kabarettist und Parodist seine aktuelle Bewertung von Politik, Sozialstaat und Gesellschaft auf die Bühne, brachte die Gäste zum Lachen – und dazu, dass ihnen dann und wann auch das Lachen im Halse stecken blieb. „Ihr werdet Gags hören, die werden nie wieder andere hören“, kündigte der Kabarettist an, dessen verbales Feuerwerk von einer multimedialen Show mit pointierten Einspielungen illustriert wurde. Ganz ohne Parodie ging auch das aktuelle Programm nicht über die Bühne: Markus Lanz, Günther Jauch, Joachim Löw und Marcel Reich-Ranicki – da waren kaum die Worte notwendig, allein Ton und Gestik machten in Sekunden klar, wer da gerade persifliert wurde. Zur erkennbaren Begeisterung der Gäste übrigens, von denen viele schon vor zwei Jahren dem Auftritt von Schroeder in Schlüchtern gefolgt waren.

 

Für den Kabarettisten war die Begeisterung keine Überraschung: „Kabarett ist Leidenschaft. Das Schöne am Kabarett ist: Man ist sich so einig, man ist auf der richtigen Seite.“ Getreu dem Motto: „Man ist schlau, links und hat recht“, wie es sich für ein Kabarett-Publikum Schroederscher Prägung gehört, wussten die Anwesenden: „Wir sind die Guten. Wir stehen auf der Seite der Schwachen, der Chancenlosen – der SPD.“ Und dann ging es los, das mal ironische, mal sarkastische, mal hintergründige Sezieren der aktuellen (politischen) Situation im Lande kurz vor der Wahl. Und wer da nicht alles sein Fett weg bekam: Martin Schulz wurde zum „sympathischen Sozialkundelehrer“. Für Alexander Dobrindt, dessen Profession die des Diplomsoziologe ist, fand Schroeder harsche Worte: „Welch eine Beleidigung für dieses schöne Fach.“ Die Linke gilt ihm als „der Pfahl im Fleisch der SPD“. Und Angela Merkel? Die überstrahlt alle als „die Helene Fischer der Politik“.

 

Schroeder braucht nicht viel, um klar zu machen, wen er da gerade aufs Korn nimmt. Eine Handgeste – die berühmte Raute – und zwei in recht hohem Ton in typischer Manier hintereinander gequietschte Töne: Das Publikum ist begeistert. Und auch andere Bundespolitiker bleiben nicht verschont: Da spottet Schroeder über Katrin Göring-Eckhardt als „die Margot Käßmann für Arme“. Angela Merkel dagegen ist „der Fels des Guten in einer Welt des Bösen“. Denn: „Der Irrsinn ist männlich.“ Wie an Donald Trump perfekt zu erkennen sei: „Der ist kein Rassist. Der ist noch nicht mal in der Lage, eine rassistische Ideologie zu vertreten. Er ist Unternehmer: Hire and Fire.“ Quintessenz der akribischen Betrachtung: „Wir sind in der Hand eines Vierjährigen, gefangen im Körper eines 70-Jährigen.“

 

Von der neuen Kultur des Teilens, die nicht nur „das Easy-Jet-Prekariat und der Ryan-Air-Pöbel“ bei Airbnb nutze, sondern die man künftig auch auf Kinder und Organe ausweiten könne, vom Postulat: „Das Böse kommt aus der Provinz“, die Gefahr gehe in unserem Land nicht von Flüchtlingen aus, sondern von „unseren untervögelten Männern in der Provinz“ - Satire und Ironie wechselten sich ab im Programm, ein Sahnehäubchen Spott durfte nicht fehlen. Der Weg zum Bioladen: Natürlich im SUV. „Wird schon, mal kucken, kann sein“: Die Relativitätstheorie des Mannes. Das Umsortieren der Spülmaschine durch die Frau: „Die ultimative Degradierung des Mannes“, der heute „Bart tragen muss, aber bitte ohne Haare.“ Die „Doppelspitze“ aus Alice Weidel und Alexander Gauland bei der AfD: „Was ist denn das für ein links-grün-versiffter Kack?“

 

Dass er mit politischer Korrektheit nichts am Hut hat – für Florian Schroeder völlig klar: „Die will im Sinne der Gleichheit alle Unterschiede abschaffen. Das ist Gesinnungsstalinismus, der uns alle zu unmündigen Opfern macht.“ Bei Schroeder ist das – zur großen Begeisterung der Gäste – nicht gelungen.

 
Die Sterne der Hannelore Hoger
24.08.2017

Von Andrea Euler

Schlüchtern. Es ist keine Autobiografie im klassischen Sinne, die Hannelore Hoger da am zurückliegenden Mittwoch im roten KUKI-Zelt präsentiert. Bilder, Momente, Episoden sind es, „Mitteilungen aus meinem Leben“, wie es die jüngst 75 Jahre gewordene Schauspielerin nennt, deren signifikanter Stimme ein Teil der mehr als eine Stunde währenden Aufmerksamkeit an diesem lauschigen Sommerabend zu verdanken ist. Von ihrer Kindheit in Hamburg erzählt sie, von den Stationen ihrer beachtlichen Schauspiel-Karriere, von den Berühmtheiten, deren Weg sie kreuzte und mit denen sie zusammen arbeitete. Sie erzählt, als würde sie der Nachbarin vom gestrigen Tag berichten, während sie sich das für sie so typische, rote Haar aus dem Gesicht streicht – schnörkellos, in einzelnen Häppchen, erkennbar emotional bewegt von dem, woran sie ihr Publikum teilhaben lässt.
An ihrer Mimik und der Stimme kann das Publikum im ausverkauften KUKI-Zelt, das dank geöffneter Seitenwände auch noch auf der angrenzenden Freifläche Platz findet zum Zuhören, erkennen, wie stark manche Erinnerungen die Schauspielerin umtreiben: Etwa, wenn sie von ihrem Hund Flocki berichtet, der „von meinem Vater gegen Kaffeebohnen an einen Engländer verkauft“ wurde. Oder wenn sie gesteht, wie groß ihr Bedauern darüber ist, dass sie ihren Vater nicht mehr nach den Kriegsjahren befragen kann.
Viele der Anekdoten jedoch - von denen das Publikum glauben könnte, sie erzähle sie aus dem Stegreif, die jedoch genau so in dem Buch „Ohne Liebe trauern die Sterne“ verewigt sind – erzählt die Mimin im Plauderton, lacht zwischendurch über die Reaktionen der Gäste, macht aus der Lesung eher ein vertrautes Gespräch.
Gänzlich ohne Allüren lässt Hoger „Bella Block“, die Hauptfigur der gleichnamigen Krimiserie, vollkommen außen vor – lediglich eine kurze Erwähnung, dass in dem Buch im Rahmen eines Interviews zu ihr ausgiebig Stellung bezogen wird, ist sie ihr wert. Statt dessen: Erinnerungen an den legendären Kuchen ihrer Mutter, der mit Cognac präpariert und der Familie deshalb „aus der Hand gerissen“ wurde. Oder – nicht ohne eine gewisse Selbstironie – die Erinnerung an ein selbst gebasteltes Quizspiel, die sie kommentiert mit den Worten: „Nun ja, heute haben wir ja Fernsehen...“
An Ulm als „meine erste Theaterstation nach Beendigung der Schauspielausbildung in Hamburg“ erinnert sich Hoger, an die belegten Brötchen in der Kantine des Axel Springer Verlags, in dem sie „Zeitungen vom Fließband abheben und vorher eine Einlage reinlegen“ musste, um Geld zu verdienen. Dass sie als Laufmädchen mal einen Mantel geschenkt bekam, bracht sie zum Weinen – „aber nicht vor Freude, ich war auch beschämt. Wenn wir heute Sachen für Syrer abgeben, sollten wir sie vorher möglichst schon waschen“, hat sie aus dieser Erfahrung für sich mitgenommen.
Von dem schwierigen Verhältnis zu Regisseur Peter Zadek, der Arbeit mit Filmemacher Alexander Kluge, der Zusammenarbeit mit den Schauspielern Helmut Qualtinger und Götz George erfahren die Gäste, von Hingabe und Abneigung, von Krankheit und Tod – und von der neuen Leidenschaft der Schauspielerin, die „als eine der wichtigsten Bühnenkünstlerinnen der 70er und 80er Jahre“ gefeiert wird. „Ich gelte als zickig, zumindest nicht als unschwierig“, bekennt die Hoger, die sich im KUKI dann doch ganz anders präsentiert: Witzig, humorvoll, mit glucksendem Lachen und Selbstironie, wenn sie fragt: „Ich weiß nicht, ob es Sie langweilt oder ob wir lieber was anderes machen sollen. Ich kenn das ja schon...“ Das Publikum will nichts anders machen – und nutzt nach der rund einstündigen Lesung die Chance, am Büchertisch Hardcover und Hörbuch zu erwerben und signieren zu lassen. Zunächst jedoch gilt der Mimin auch noch der Dank der Veranstalter: Heide Buhmann ist sich am Ende des Abends sicher, „dass wir Sie nun noch mehr lieben als vorher.“ Warmer Applaus unterstreicht diese Worte – und dankt der berühmten Schauspielerin für diesen sehr persönlichen Einblick in ihr Leben.